Wechselwirkung von Körper und Psyche – Embodiment

„Lass den Kopf nicht hängen“
„Ich fühle mich so niedergedrückt“
„Mit stolzgeschwellter Brust“

Die Sprache verweist uns an vielen Stellen darauf, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen körperlichem Ausdruck und psychisch-emotionalem Empfinden gibt.

Dieses Phänomen ist inzwischen gut erforscht und wird mit dem Fachbegriff „Embodiment“ bezeichnet – dies meint die Wechselwirkung von Körper und Psyche.

Wechselwirkung bedeutet, dass es eine Beeinflussung nach beiden Seiten gibt. Unsere körperliche Verfasstheit beeinflusst unsere emotionale Stimmung – und unsere psychische Befindlichkeit beeinflusst unsere Körperlichkeit, z.B. Haltung, Ausdruck und eben auch die Körperspannung, den Körper-Tonus.

In der Eutonie wird explizit von dieser Wechselwirkung ausgegangen und auf sie eingegangen.

Das Sich-selbst-Zuwenden in der Eutonieübung lässt uns wahrnehmen wie es uns gerade geht und wie wir gestimmt sind.

Das Arbeiten mit Eutonie-Materialien kann Anspannungen lösen und uns damit Erleichterung verschaffen.
Bewegung kann für mehr Wachheit und Präsenz sorgen.
Wenn wir uns in Übungen mit der Aufrichtung der Wirbelsäule beschäftigen kann möglicherweise ein Empfinden von Niedergeschlagenheit überwunden werden.
Ein gezieltes Üben mit dem Brustkorb kann ein freieres (Durch-)Atmen bewirken.
Die Füße gut am Boden zu spüren kann das Gefühl von Stabilität steigern.
Den Boden als große Liegefläche und Stütze wahrzunehmen kann zu mehr Selbstsicherheit und Gelassenheit führen.

In dieser Weise kann Ihnen Eutonie zu mehr innerer und äußerer Ausgeglichenheit und Balance verhelfen.

Wirkung auf die Faszien

Das Fasziennetz ist das Gewebe unseres Körpers, das für Elastizität sorgt. Als dreidimensionales Spannungsnetz durchziehen Faszien unseren gesamten Körper wie ein „geschmeidiger Ganzkörperanzug“. Sie befinden sich in ständigen Aufbau- und Umstrukturierungsprozessen.

Ihre Eigenschaften: Sie sind anpassungsfähig, dynamisch, elastisch rückfedernd, gleit- und dehnfähig, widerstandsfähig, reißfest, straff, stark und belastbar.

In der Eutonie werden diese Qualitäten erlebbar und die Faszien trainiert.

Beim gesunden Menschen erneuert sich das Bindegewebe alle 6 bis 24 Monate vollständig. Es nimmt viele verschiedene wichtige Aufgaben wahr.

Durch fokussierte Übungen wird der Zustand des Bindegewebes gezielt beeinflusst. Dabei finden wir heraus, ob wir mit passivem Druck auch tiefere Gewebeschichten erreichen können. Das berührt u.a. die Frage, wie wir mit Schmerz sinnvoll umgehen. Auch die Auswirkungen auf unseren Tonus und die Bewegungsqualität eröffnen besondere Aha-Erlebnisse. Das Gehen als ganzkörperliche Bewegung findet dabei eine besondere Beachtung.

Interessante Beiträge rund um das Thema Faszien finden Sie unter:

www.fasciaresearch.de

SWR-Mediathek

Alles rund um Berührung

Berührung ist existentielle Erfahrung und Bedürfnis zugleich. Durch Berührung und unseren Tastsinn erfahren und spüren wir uns selbst – und das, was uns berührt. Das kann ein Gegenstand oder ein lebendiges Wesen sein.

Berührung macht etwas mit uns, bewirkt etwas – körperlich wie psychisch.

Deshalb ist die Wahrnehmung von und der Umgang mit Berührung ein wesentliches Element von Eutonie-Übungen.
Die Kleidung auf der Haut, die Matte, Eutonie-Material, ein Hocker, Bewegungen – alles dies bietet die Möglichkeit, Impulse über die Haut aufzunehmen und deren Wirkung zu erfahren.

Durch die Berührung der Haut erfahren Sie Ihre Körpergrenze, die ein Spüren nach innen wie nach außen ermöglicht.

Entspannung, Konzentration, Lösung von Schmerz, Präsenz, Wohlempfinden, Empfindsamkeit, Abgrenzung – alles Aspekte, die über das Berühren und berührt werden im eutonischen Üben angesprochen werden.